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Wyoming


In der Sprache der Delaware-Indianer bedeutet Wyoming so viel wie „auf den großen Ebenen". Tatsächlich ist es die weite Landschaft, die charakteristisch ist für diesen Bundesstaat. Seit der Staatsgründung im Jahr 1890 ist die Bevölkerungszahl zwar gewachsen, aber noch immer ist Wyoming nahezu menschenleer. Die knappe halbe Million Einwohner verteilt sich auf ein Gebiet, das in etwa so groß ist wie die ehemalige Bundesrepublik.
Castle Geysir, Yellowstone National Park, Wyoming
Straße in Wyoming
   Wyoming - weites, fast menschenleeres Land mit fruchtbaren Böden
 
 

Zwar findet sich hier fruchtbarster Boden, aber die Hochebenen liegen im Windschatten der Rockies und bekommen deshalb wenig Regen. Nur bei künstlicher Bewässerung kann der fruchtbare Boden genutzt werden. Daher mieden auch die frühen Pioniere das Land - erst mit dem Bau der Eisenbahn begann für Wyoming die wirtschaftliche Entwicklung. Bis dahin war das Land vor allem als Weidegrund für Vieh- und besonders Büffelherden sowie als Nahrungsgrundlage der Indianer bedeutsam. Hier spielte sich denn auch vieles von dem ab, was als Cowboy- und Indianergeschichten für städtische Leser romantisiert wurde. Besonders der „Johnson County War" des Jahres 1892 regte die Phantasie von Schriftstellern und Regisseuren an. Grund für seinen Ausbruch war die Ankunft von Schafbesitzern, deren Ländereien im Norden Wyomings in verhältnismäßig kleine Parzellen unterteilt und deshalb

den Rinderbaronen ein Dorn im Auge waren. Sie wollten weites, uneingezäuntes Land, das ihre riesigen Herden würden durchstreifen können. Die Stimmung wurde durch zahllose Viehdiebstähle, die zu dieser Zeit den Staat wie eine ansteckende Krankheit heimsuchten, noch aufgeheizt und entlud sich schließlich in brutalen Kämpfen zwischen Schaf- und Rinderbesitzern. Die Überführung und Bestrafung von Viehdieben wurde zwar den bald schon anrückenden Truppen der Bundesarmee überlassen, Mord, Brandstiftung und das Abmetzeln ungeliebter Tierbestände zwischen den verfeindeten Kuh- und Schaflagern blieben aber bis ins 20. Jahrhundert an der Tagesordnung.

Fortschrittlicher als die Rancher zeigten sich die politisch Verantwortlichen: Bereits 1869 erhielten die Frauen von Wyoming das Wahlrecht - erst 1920 erhielten alle Frauen der USA durch die Verfassung das Wahlrecht, in Deutschland dürfen Frauen erst seit 1918 wählen. Hier gab es die erste Friedensrichterin, die ersten weiblichen Geschworenen und zwischen 1925 und 1927 auch die erste Frau auf einem Gouverneursposten. Zur wirtschaftlichen Prosperität trugen seit dem frühen 20. Jahrhundert die Bodenschätze von Wyoming bei, doch weder die Fortschrittlichkeit auf bürgerrechtlichem Gebiet noch der Wohlstand konnten Wyoming davor bewahren, dass es 1922 Schauplatz eines der größten politischen Skandale Amerikas wurde, als Innenminister Albert Fall die Erdölvorkommen vom Teapot Dome unter der Hand verschacherte. Der Oberste Gerichtshof schickte ihn dafür ins Gefängnis, und dass Präsident Harding, ebenso gutgläubig wie unfähig, von weiteren politischen Konsequenzen verschont blieb, ist wohl einzig seinem plötzlichen Tod am 2. August 1923 zuzuschreiben.

Unbeeinflusst von alledem ist die Bedeutung der Rohstoffe für Wyoming, dessen Erdölvorkommen seit der Ölkrise der 70er Jahre von gesteigertem nationalen Interesse sind. Daneben lebt der Staat auch von reichen Kohle- und Gasvorkommen, Uran und diversen Mineralien, vor allem aber auch von der Landwirtschaft und dem Tourismus. Neben dem obligatorischen Besuch des Yellowstone National Park ist bei den Touristen ein Aufenthalt auf einer der „Working Ranches", den Dude Ranches, besonders beliebt. Hier kann sich der stressgeplagte, nostalgische Städter auf ein Pferd setzen und den Cowboys bei der Arbeit zusehen oder mit anpacken. Die meisten dieser Ranches veranstalten auch mehrtägige Ausritte in die Nationalparks oder die herrliche Bergwelt Wyomings, das auf einer durchschnittlichen Höhe von fast 2.000 m liegt.

Viele der Bergseen sind daher zum Schwimmen zu kalt, bieten aber oftmals schöne Möglichkeiten zum Surfen. Wasserski- oder Boot fahren. Ähnlich wie beim Frauenwahlrecht fällt Wyoming auch im Hinblick auf die Bewahrung großer Landschaftsräume in Form von National Parks und ähnlichen von der Bundesregierung verwalteten Arealen die Vorreiterrolle zu. 1872 wurde der Yellowstone National Park zum ersten Nationalpark der Erde überhaupt erklärt. Seither sind 357 weitere Areale auf diese Weise dem privaten Zugriff entzogen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Sie üben mit ihrem Erhalt ursprünglicher Naturräume, die häufig an die Frontier-Zeiten erinnern, nicht nur einigen Einfluss auf das amerikanische Selbstverständnis aus, sondern füllen nebenbei auch die Kasse des Bundes. Auch das Devils Tower National Monument war das erste seiner Art in den Vereinigten Staaten, ebenso, wie der Shoshone National Forest in Nordwest-Wyoming das National Forest System der USA, mit dem ein zerstörerischer Raubau der Wälder verhindert werden soll, ins Leben rief.

 
   Black Hills National Forest
 

Der größte Teil dieses National Forest liegt bereits in South Dakota, wo sich auch die meisten Freizeitanlagen befinden, doch auch auf der Wyoming-Seite findet man vier Campingplätze in einem dichten Mischwaldgebiet mit Birken, Espen, Fichten und den schwarz erscheinenden Ponderosa-Kiefern, durch die die Gegend ihren Namen erhielt. Den Sioux waren die Black Hills heilig, doch wurden sie wie so viele andere indianische Heiligtümer von den Goldsuchern überrannt. Die Chancen, dass man auf Wanderungen durch dieses Gebiet wilde Truthähne, Rehe, Hirsche oder Wapitis zu sehen bekommt, sind ausgesprochen groß. In New Castle und Sundance sind Ranger-Stationen eingerichtet, an denen man Karten mit den Flüssen, Straßen, Campingplätzen und anderen Freizeiteinrichtungen im Black Hills National Forest erhält.

Etwa 8 km östlich von Kelly kann man einen Abstecher zur Gros Ventre Slide machen. Hier hat im Juni 1923 ein gewaltiger Erdrutsch den Fluss Gros Ventre gestaut. Als die Gerölllawine 2 Jahre später wieder teilweise abrutschte, rissen der Fluss, Schlamm und Felsbrocken die Ortschaft Kelly mit sich. Ein weiteres Phänomen ist der Periodic Spring 8 km östlich von Afton. Im Sommer hört diese Quelle alle 18 Minuten zu fließen auf, um sich zu einem dunkel grollenden, eiskalten Strom anzustauen. Hierher gelangt man nur über eine enge, unbefestigte Straße (im Winter gesperrt) und über einen anschließenden steilen Fußweg.

 
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